Let’s talk about wine!

Ein Weingut das nur eine Rebsorte anbaut,
ein Steilhang der aus dieser einen Rebsorte geniale Weine hervorbringt
und der Riesling-Winzer der den Beruf liebt und lebt!
Das war für den Weinjournalist Michael Schmidt Anlass genug für ein Interview!

Let’s talk about wine!

Ein Weingut das nur eine Rebsorte anbaut,
ein Steilhang der aus dieser einen Rebsorte geniale Weine hervorbringt
und der Riesling-Winzer der den Beruf liebt und lebt!
Das war für den Weinjournalist Michael Schmidt Anlass genug für ein Interview!

Herr Schmitz, Sie haben sich mit Ihrem Weingut Rebenhof in Ürzig ganz dem RIESLING verschrieben – was ist das Besondere an dieser Rebsorte?

Unsere Reben stehen größtenteils in den Steilhängen der Lagen Ürziger Würzgarten und Erdener Treppchen. Dort kommt es in trockenen Wetterphasen immer wieder zu beträchtlichem Wassermangel. Riesling ist sehr genügsam im Wasserverbrauch. Mit einer Wachsschicht auf der oberen Seite seiner Blätter und feinen Härchen auf der Unterseite wird der Wasserverzehr stark vermindert. Gleichzeitig dringen die Wurzeln der Rieslingrebe in die tieferen Bodenschichten vor, um sich dort mit Wasser zu versorgen. So versorgen die Wurzeln den Riesling mit einer ausgeprägten Mineralität, während seine Blätter für die Konzentration der fruchtigen Aromen sorgen. Auf diese Weise entfalten die Rieslingreben das volle Potential des Weinbergs.

Einzigartig ist wie der Riesling die kleinsten mikroklimatischen Unterschiede zum Ausdruck bringt. Mehr als 100 Tage zwischen Blüte und Vollreife nutzt die Rebe täglich um Mineralien und Aromen in die Traube zu implizieren. So entstehen Weinpersönlichkeiten die das Terroir, einzigartig widerspiegeln.

 

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Johannes Schmitz im Gespräch mit Michael Schmidt

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Ein Wort zu den Lagen: Der ÜRZIGER WÜRZGARTEN und das ERDENER TREPPCHEN sind Ihre wichtigsten Lagen. Was sind ihre Besonderheiten und wie unterscheiden sie sich voneinander?

Besonders bemerkenswert beim Würzgarten ist, dass auf seinen bekannten roten Böden die Reblaus nie Fuß fassen konnte, weshalb es bis 2008 auch erlaubt war, wurzelechte Reben anzupflanzen. Die Weine aus dieser Lage zeichnen sich durch ihre einzigartige Kombination von Pfeffer-, Muskat- und Kräuternoten aus. Der Würzgarten teilt sich in zwei rote Bodenarten. Roter Schiefer, der die würzige Mineralität sehr markant zum Ausdruck bringt und Vulkangestein (Rotliegendes) das diese Aromen beinahe weich im Riesling erscheinen lässt. Durch seine tiefgründige Struktur ist das Vulkangestein besser zur Einlagerung von Wasservorräten geeignet. Die Weine vom Vulkan haben oft mehr Körper während der Schiefer mit schlanker Eleganz zu punkten weiß.

Im Treppchen wachsen unsere Reben in einem sehr trockenen Bereich innerhalb dieser Steillage. Wenige Trauben werden an den 40-jährigen Reben mit viel Aroma und Mineralität ausgestattet. Fehlendes Wasser behindert an vielen Tagen die Assimilation. So entstehen Weine mit sehr moderatem Alkoholgehalt, jedoch gehaltvoll mit viel Spiel und Mineralität.

Was verstehen Sie unter dem Begriff TERROIR, der ja heutzutage bei Weinbeschreibungen oft verwendet wird?

Unter Terroir verstehe ich die Synthese aus Boden, Mikroklima, Reben und dem Winzer. Der Winzer kann das Potential der einzelnen Parzelle im jeweiligen Wein von Jahr zu Jahr wiedererkennbar zum Ausdruck bringen.

Ob eine Lage windgeschützt ist, ihre Sonnenausrichtung und ihr Neigungswinkel, das sind alles Faktoren, die ihr Mikroklima und damit die Wachstums- und Reifebedingungen für die dort stehenden Reben bestimmen. Riesling passt nicht nur am besten zu unseren Steilhängen, sondern ist auch einzigartig prädestiniert, die Unterschiede zwischen den Bodenarten sensorisch in mineralischen, würzigen oder blumigen Spielarten zum Ausdruck zu bringen. Dies war schon einer der preußischen Lagenkarte zugrundeliegender Gedanke: Der Name einer Lage verbindet Boden und Mikroklima untrennbar miteinander. Das Terroir war also schon 1868 bei den ersten Weinlagennamen das ganz große Thema!

Zum Weiterlesen: R. Löwenstein: Von Öchsle zum Terroir – Ein oenologisches Manifest

 

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Ein beträchtlicher Teil Ihrer Weine wächst noch auf WURZELECHTE REBEN. Ist das nicht ungewöhnlich für Deutschland?

Das ist nicht nur ungewöhnlich für Deutschland. Wurzelechte Reben sind weltweit eine Rarität! Wegen der Reblaus-Gefahr werden seit Anfang des 20. Jahrhunderts in ganz Europa Pfropfreben* gepflanzt. In der Ürziger Moselschleife liegt eins der größten Reservate wurzelechter Reben die nicht geklont und nicht gepfropft sind. Wenige, kleine Trauben von besonders hoher Qualität sind den alten wurzelechten Reben zu Eigen. Aus dem wertvollen Erbgut alter Rieslingreben haben wir neue Pflanzen erzeugt.  Unsere wurzelechten Rieslingreben wurden bis zum (unsinnigen) Verbot 2008 von Riesling-Winzern zur Erzeugung von Spitzenwein sehr geschätzt.

In unseren Weinbergen sind heute noch mehr als 75% wurzelechte Reben.  Viele davon sind mehr als 60 Jahre – einige bis zu 100 Jahre alt. Da ihre Trauben lockerbeeriger ausfallen als bei geklontem Material, können wir bei niedrigeren Erträgen außerordentliche Konzentration erreichen. Außerdem sind diese Reben von Natur aus widerstandsfähig und liefern oftmals die gesündesten Trauben.

* Pfropfrebe: Auf eine Reblaus-resistente Wurzelstange (botanisch Vitis Riparia/Rupestris = „Amerikaner“) wird die jeweilige Rebsorte z.B. Riesling (botanisch zur Familie der Vitis Vinifera = „Europäer“) aufgepfropft. Mit der Pfropfung wird neben der vermeintlichen Resistenz gegen die Reblaus eine Ertragsoptimierung angestrebt. Seit über 100 Jahren wird geklontes Erbgut gezüchtet und vermehrt. Ziel der Klonung ist ebenfalls ein höherer Ertrag. Wurzelechte Reben sind nicht gepfropft und oft auch nicht geklont. Sie sind somit eine Grundlage zur Erzeugung von ganz besonderen Weinen.

Die Bezeichnung ALTE REBEN scheint in weiten Teilen der Weinindustrie oft recht freizügig verwendet zu werden. Wie definieren Sie in ihrem Weingut den Begriff „Alte Reben“?

Offiziell darf der Begriff „Alte Reben“ ab 25 Jahren verwendet werden. Das hat im Weinmarketing leider zu einer inflationären Anwendung des Begriffs geführt. Ab 40 Jahre wäre eher akzeptabel, aber wir im Rebenhof bringen diese Beschreibung nur aufs Etikett, wenn die Weine von mindestens 60 Jahre alten Reben stammen. Damit bringen wir zum Ausdruck, dass die altersbedingte Ertragsreduzierung zu einer Komplexität und Dichte führt, die man bei jüngeren Reben in dieser vielschichtigen Prägung nicht findet.

 

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Was sind die Besonderheiten des ROTEN SCHIEFERS in ihren Weinbergen?

Die Farbe des roten Schiefers in unserem Ürziger Würzgarten geht auf oxydierte Eisenverbindungen zurück, die erst durch die zersplitterte Gesteinsformation und damit verbundene Möglichkeit der Wasserzirkulation ermöglicht wurden. Wegen seiner Klüfte hat der roten Schiefer ein höheres Wasseraufnahmevermögen als andere Schieferarten und darauf wachsende Reben leiden deshalb bei Trockenperioden weniger unter Trockenstress. Weine vom roten Schiefer haben meistens einen etwas schärferen würzigen Biss, der bei feinherben Weinen den Restzucker hervorragend abpuffert.

 

Was unterscheidet den roten vom GRAUEN SCHIEFER, und wie wirkt sich das auf den Wein aus?

Der graue Schiefer, wie wir ihn bei uns im Erdener Treppchen finden, ist im Gegensatz zum roten Schiefer tektonisch so dicht, dass es keine Wasserzirkulation gibt. Das Wasserspeichervermögen dieses oft sehr steinreichen Bodens ist äußerst gering. Verwitterung aus grauem Schiefer setzt der Riesling oft in blumige Noten um. Die sprichwörtliche Würze, die beim roten Schiefer den Zucker sehr einbindet, lässt beim grauen Schiefer fruchtige Süße schmecken.

In vielen Verkostungsnotizen und Weinbeschreibungen ist heute von MINERALITÄT die Rede. Welche Bedeutung hat dieser Begriff für Sie? 

Mineralität ist ein wichtiger Bestandteil auf Schiefer gewachsener Weine, der zusammen mit Frucht, Säure und Restzuckergehalt das Geschmacksbild feiner Moselgewächse bestimmt. Ob sich nun die Mineralik eines Weines mehr in feuersteinartigen, kräuterähnlichen oder würzigen Aromen ausdrückt, leiten sie sich alle von Mineralien in den Böden ab, auf denen ihre Reben wachsen. Mineralität ist oft ein wesentliches Charaktermerkmal von Weinen aus den Trauben älterer Reben, die mit ihren meterlangen Wurzeln Zugang zu tieferliegenden mineralreichen Bodenschichten haben.

 

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Wieviel Bedetung kommt dem MIKROKLIMA im Weinbau und in der Weinbereitung zu?

Mikroklima schafft individuelle Persönlichkeit im Wein. Selbst innerhalb einer Einzellage gibt es meist noch Verschiedenheiten der Geländeform, thermische Unterschiede, offene Flächen oder windgeschützte Nischen, geologische Besonderheiten, die alle einen Einfluss auf die klimatischen Bedingungen von individuellen Parzellen haben. So machen wir zum Beispiel bei unseren 70 bis 100 Jahre alten, auf den Terrassen des Ürziger Würzgarten wachsenden Reben zwei verschiedene Weine, einmal den Alte Reben, der von offeneren, dem Wind ausgesetzten Flächen stammt, und das Grosse Gewächs von Anlagen, die sich in vom Ostwind abgeschirmten Nischen und kleinen Bodenvertiefungen zwischen höher liegenden Punkten befinden. Allein durch die geschützte Lage ergeben sich etwas wärmere Temperaturen, die für eine ganz andere Fülle beim Grossen Gewächs sorgen, während die Alten Reben etwas straffer und schlanker ausfallen.

 

Was ist das Besondere and der Parzelle URGLÜCK?

Das „Urglück“ wurde schon durch die von den Preußischen Steuerbehörden durchgeführte Bewertung der Weinberge in der Lagenkarte Saar und Mittelmosel von 1868 als Spitzenlage eingestuft. Es handelt sich um die Rebfläche westlich des großen Felsens, der Grand Ley, durch den die Reben vom Ostwind geschützt sind.

Die Weine aus dem Urglück bringen die Besonderheit dieses Terroirs zum Ausdruck. Der ursprüngliche Gedanke bei der Namensgebung 1868, aus der Verbindung von Mikroklima und Mineralität eine Persönlichkeit zu machen, wird hier erlebbar.

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Können Sie uns erklären, worum es bei der  Diskussion um OECHSLEGRADE und deren Bedeutung im Verhältnis zu  Lage und Mikroklima geht?

Das Weingesetz von 1971 stellte die Oechslegrade, dass heisst den Zuckergehalt der Trauben und das davon abhängende Mostgewicht, in den Vordergrund. Daher wurden Weine aus verschiedenen Parzellen oft nur unter dem Gesichtspunkt des gleichen Zuckergehalts zusammengestellt, um die Vorgaben für die verschiedenen Prädikate von Kabinett und Spätlese bis zu den nobelsüßen Auslesen und Beerenauslesen zu erfüllen. Ab Mitte der 80er Jahre begann eine Kehrtwende und man besann sich darauf, wieder die Persönlickeit des Weins, das heißt seine lagenspezifischen Merkmale, bestimmt durch Mikroklima und Bodenbeschaffenheit, in den Vordergrund zu stellen. Dazu gehört auch, dass man sich für den richtigen Lesezeitpunkt mehr an der physiologischen Reife der Trauben als ihrem Zuckergehalt orientiert. Lage und Mikroklima beeinflussen die individuelle Aromatik eines Weins, während Oechslewerte mehr als Gradmesser für Alkoholgehalt und Restsüße zu verstehen sind.  

Über den WEIN sollte man das ESSEN nicht vergessen. Handelt es sich bei der Behauptung, dass nur trockene Weine zum Essen passen, um eine Binsenwahrheit?

Es ist ein hartnäckiges Vorurteil, dass nur trockene Weine als Speisenbegleiter taugen. Was daran stimmt, ist, dass sich ihr meist höherer Alkoholgehalt gut als Geschmacksträger eignet. Wir haben aber aus langer Erfahrung gelernt, dass sich besonders unsere feinherben Weine mit ihrer dezenten Restsüße bestens mit pikanten Speisen vertragen. Ob es sich nun um einen feinherben Kabinett, eine Spätlese von alten Reben oder den kompakten „von den Felsen“ handelt, ihre Gewürznoten und salzige Mineralik binden den Restzucker harmonisch ein und passen sehr gut als Begleitung zu feiner Küche. Als fast klassische Kombination würde ich unseren Feinherb vom roten Schiefer mit Spargel empfehlen, bei der der Restzucker des Weins die dem Spargel eigene Bitterkeit auffängt und damit seine saftige Textur zum Tragen bringt.

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Herr Schmitz, was um alles in der Welt sind VEGANE WEINE?

Generell sind Trauben, Moste und auch Wein vegan. Aber in der heutigen Kellerwirtschaft kommen für die Klärung und Filterung des Jungweines oft tierische Stoffe wie Gelatine und Kasein zum Einsatz. Diese kellerwirtschaftlichen Hilfsstoffe binden die im Jungwein schwebenden Trubteilchen und setzen sich dann am Fass- bzw. Tankboden ab, wo sie dann später abgefiltert werden.

Gerade auch für Veganer ist es wichtig zu wissen, dass im Getränk nichts enthalten war oder ist, was sie nicht wollen. Etwa tierisches Eiweiß oder Fischgelatine. Daher verzichten wir seit dem Jahrgang 2015 generell auf tierische Zusatzstoffe im Wein, damit Sie bedenkenlos genießen können.